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Ausbildung nach Schlaftyp wählen: Welche Berufe passen zu Eulen, Lerchen und Mischtypen?

Interesse, Talent, Gehalt – übliche Kriterien. Aber der entscheidende Faktor wird fast immer vergessen: Kann ich die Arbeitszeiten dieses Berufs langfristig durchhalten?

Die Wahl der Ausbildung nach Schlaftyp klingt ungewöhnlich – ist aber einer der wichtigsten Faktoren, die Jugendliche bei der Berufswahl ignorieren. Mit 16, 17 oder 18 Jahren orientiert man sich an Interessen, Schulnoten oder Empfehlungen. Doch ob man die Arbeitszeiten des gewählten Berufs 40 Jahre lang durchhalten kann, fragt kaum jemand.

Dabei wird ein entscheidender Faktor oft übersehen: die typischen Arbeitszeiten des Berufs. Wer als ausgeprägter Spättyp eine Bäckerlehre beginnt, wird früher oder später Probleme bekommen – nicht wegen mangelndem Talent, sondern wegen des falschen Rhythmus.

Warum das Thema gerade für Jugendliche wichtig ist

Die Forschung zeigt etwas Interessantes: In der Pubertät verschiebt sich der Schlafrhythmus fast aller Menschen nach hinten. Jugendliche werden zu Nachteulen – auch wenn sie als Kinder Frühaufsteher waren.

Die biologische Realität

  • 10-12 Jahre: Die meisten Kinder sind noch Frühtypen
  • 13-20 Jahre: Verschiebung zum Spättyp (biologisch bedingt)
  • ab ca. 25: Langsame Rückkehr zum individuellen Grundtyp

Das bedeutet: Ein 16-Jähriger, der sich für eine Ausbildung zum Bäcker interessiert, sollte wissen, dass sein aktueller Schlafrhythmus nicht repräsentativ für sein ganzes Leben ist. Er sollte sich fragen: War ich als Kind ein Frühaufsteher? Sind meine Eltern Frühaufsteher?

Ausbildungsberufe für Frühaufsteher

Wenn du morgens problemlos aus dem Bett kommst und abends früh müde wirst, kommen diese Ausbildungsrichtungen in Frage:

Handwerk mit Frühbeginn

  • Bäcker/in: Arbeitsbeginn oft 3-4 Uhr
  • Konditor/in: Ähnlich früh wie Bäcker
  • Fleischer/in: Oft ab 5 Uhr
  • Bau- und Handwerksberufe: Meist 6-7 Uhr Beginn

Landwirtschaft

  • Landwirt/in: Tiere müssen früh versorgt werden
  • Tierpfleger/in: Früher Beginn, besonders in Landwirtschaft
  • Gärtner/in: Oft früher Start

Gesundheit mit Frühdienst

  • Pflegefachmann/-frau: Frühdienst ab 6 Uhr
  • Medizinische Fachangestellte: Praxen öffnen oft um 7 Uhr

Ausbildungsberufe für Spätaufsteher

Du bist vor 10 Uhr nicht zu gebrauchen? Dann könnten diese Richtungen passen:

IT und Medien

  • Fachinformatiker/in: Oft flexible Arbeitszeiten
  • Mediengestalter/in: Kreativbranche, flexible Zeiten
  • Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement: Moderne Arbeitsmodelle

Gastronomie und Hotel

  • Hotelfachmann/-frau: Spätschicht möglich
  • Restaurantfachmann/-frau: Arbeit vor allem abends
  • Koch/Köchin: Oft Nachmittags- und Abendschichten

Veranstaltung und Kultur

  • Veranstaltungskaufmann/-frau: Events sind abends
  • Fachkraft für Veranstaltungstechnik: Späte Arbeitszeiten

Was tun, wenn der Traumberuf nicht zum Rhythmus passt?

Du willst unbedingt einen bestimmten Beruf ergreifen, aber die Arbeitszeiten sind problematisch? Hier einige Überlegungen:

  1. Gibt es Varianten? Manche Berufe haben unterschiedliche Arbeitsorte mit unterschiedlichen Zeiten. Ein Koch in einem Abendrestaurant arbeitet anders als ein Koch in einer Betriebskantine.
  2. Wie sieht es nach der Ausbildung aus? Manchmal haben Azubis andere Zeiten als ausgelernte Fachkräfte. Oder du kannst dich in eine Richtung spezialisieren, die andere Zeiten hat.
  3. Kannst du dich anpassen? Wenn du ein Mischtyp bist (weder extreme Eule noch extreme Lerche), kannst du dich vielleicht umgewöhnen – aber das kostet Energie.
  4. Ist es das wert? Manche Menschen nehmen für ihren Traumjob ungünstige Zeiten in Kauf. Das kann funktionieren, aber du solltest ehrlich zu dir selbst sein.

Fragen, die du dir stellen solltest:

  • • Wann wache ich am Wochenende ohne Wecker auf?
  • • Wann fühle ich mich am energiegeladensten?
  • • Wie waren meine Schlafgewohnheiten als Kind?
  • • Welchen Chronotyp haben meine Eltern?
  • • Könnte ich 40 Jahre lang um diese Uhrzeit aufstehen?

Das Praktikum als Realitätscheck

Vor der Ausbildung ein Praktikum zu machen ist sowieso sinnvoll – aber nutze es auch, um die Arbeitszeiten zu testen. Eine Woche lang um 5 Uhr aufstehen gibt dir einen realistischen Eindruck davon, wie sich das anfühlt.

Achte dabei nicht nur auf den ersten Tag (da ist alles neu und aufregend), sondern auf Tag 4 oder 5, wenn die Routine einsetzt.

Eltern und Berufsberater einbeziehen

Sprich mit deinen Eltern über ihren Schlaftyp – das gibt Hinweise auf deine genetische Veranlagung. Und wenn du zur Berufsberatung gehst, erwähne das Thema Arbeitszeiten. Es ist ein legitimer Faktor bei der Berufswahl.

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Fazit: Denk langfristig

Eine Ausbildung ist der Start in ein Berufsleben von vielleicht 40-45 Jahren. Es lohnt sich, nicht nur zu fragen "Was will ich machen?", sondern auch "Wann will ich arbeiten?". Der richtige Beruf zur falschen Uhrzeit kann langfristig genauso unglücklich machen wie der falsche Beruf.

Nutze unseren Quiz, um deinen Schlaftyp einzuordnen, und den Berufs-Finder, um Ausbildungsberufe zu finden, die zu deinem Rhythmus passen.

Buchtipp: Chronotypen verstehen

"Internal Time" von Till Roenneberg* erklärt, warum der Schlafrhythmus sich in der Pubertät verschiebt und was das für die Berufswahl bedeutet – spannend auch für Eltern, die ihre Kinder beraten.

Quellen

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