Arbeitszeiten im Vorstellungsgespräch ansprechen – ohne schlecht dazustehen
Gehalt, Urlaub, Homeoffice – das fragt man. Aber nach Arbeitszeiten traut sich kaum jemand zu fragen. Dabei sind die Arbeitszeiten die wichtigste Frage für dein tägliches Wohlbefinden.
Nach Arbeitszeiten im Vorstellungsgespräch zu fragen ist eine der wichtigsten Fragen, die du stellen kannst – und die, die sich die wenigsten trauen. Gehalt, Urlaubstage, Homeoffice werden selbstverständlich angesprochen. Aber wann genau der Arbeitstag beginnt, bleibt oft ungeklärt.
Das ist ein Fehler. Denn die Arbeitszeiten beeinflussen jeden einzelnen Morgen deines Berufslebens. Hier erfährst du, wie du die Frage nach den Arbeitszeiten im Vorstellungsgespräch so stellst, dass du kompetent wirkst – nicht faul.
Warum die Frage wichtig ist
Die Arbeitszeiten beeinflussen jeden einzelnen Tag deines Berufslebens. Sie bestimmen:
- Wann dein Wecker klingelt
- Wie viel Zeit du für Familie und Hobbys hast
- Ob du gegen deinen Biorhythmus arbeitest
- Wie dein gesamter Tagesablauf aussieht
Ein tolles Gehalt bringt wenig, wenn du jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen musst und das nicht zu dir passt. Die Frage nach Arbeitszeiten ist keine Frage von Faulheit, sondern von Selbstkenntnis.
Wie du die Frage richtig stellst
1. Im richtigen Moment fragen
Nicht zu früh im Gespräch. Warte auf "Haben Sie noch Fragen?" oder den Teil, in dem über praktische Details gesprochen wird.
2. Positiv formulieren
So nicht vs. So besser:
"Muss ich hier wirklich um 7 Uhr anfangen?"
Klingt widerwillig und negativ
"Wie sehen die typischen Arbeitszeiten im Team aus?"
Neutral, zeigt Interesse am Arbeitsalltag
"Gibt es feste Kernarbeitszeiten oder Gleitzeit?"
Sachliche Frage nach der Struktur
"Ich bin besonders produktiv, wenn ich meinen Tag flexibel einteilen kann. Wie ist das hier gehandhabt?"
Zeigt Selbstkenntnis, erklärt die Motivation
3. Kontext geben
Wenn du eine spezifische Situation hast (Pendelweg, Familie, gesundheitliche Gründe), kannst du das kurz erwähnen:
- "Ich pendle aus [Ort] – wie flexibel sind die Anfangszeiten?"
- "Ich bin am produktivsten, wenn ich nicht zu früh starte. Welche Möglichkeiten gibt es da?"
Was die Antworten verraten
Achte nicht nur auf die offiziellen Zeiten, sondern auch darauf, wie geantwortet wird:
Gute Zeichen
- • "Bei uns gibt es Gleitzeit"
- • "Das handhaben wir flexibel"
- • "Kernzeit ist 10-16 Uhr"
- • Offene, entspannte Antwort
Warnzeichen
- • "Hier fangen alle um 7 Uhr an. Punkt."
- • Genervte Reaktion auf die Frage
- • "Das müssen Sie schon aushalten"
- • Ausweichende Antworten
Recherche vor dem Gespräch
Idealerweise weißt du vor dem Gespräch schon ungefähr, was dich erwartet. So kannst du besser einschätzen, ob der Job passt:
- Stellenanzeige: Stehen Arbeitszeiten drin? "Flexible Arbeitszeiten" ist gut, "Schichtbereitschaft" weniger.
- kununu & Glassdoor: Mitarbeiter-Bewertungen erwähnen oft die Realität der Arbeitszeiten.
- LinkedIn: Frag Mitarbeiter (diskret) nach der Unternehmenskultur.
- Branchenstandard: Informiere dich, was in der Branche üblich ist (unser Berufs-Finder hilft).
Was, wenn die Zeiten nicht passen?
Du bekommst ein Angebot, aber die Zeiten sind nicht ideal. Was nun?
Option 1: Verhandeln
Nach dem Angebot hast du mehr Spielraum. Frag, ob Anpassungen möglich sind: "Wäre es möglich, eine Stunde später zu beginnen und entsprechend später zu gehen?"
Option 2: Probieren
Wenn du kein extremer Chronotyp bist, funktionieren manche Zeiten nach einer Eingewöhnungsphase. Aber sei ehrlich zu dir selbst, ob das realistisch ist.
Option 3: Ablehnen
Es ist okay, einen Job abzulehnen, weil die Zeiten nicht passen. Das ist kein Versagen, sondern Selbstkenntnis. Du sparst dir (und dem Arbeitgeber) Probleme.
Fragen, die du stellen kannst
Kopiervorlage für dein nächstes Gespräch:
- → "Wie sehen die typischen Arbeitszeiten im Team aus?"
- → "Gibt es Kernarbeitszeiten oder Gleitzeit?"
- → "Wie wird mit Remote-Arbeit umgegangen?"
- → "Wie ist die Kultur bezüglich Überstunden?"
- → "Gibt es Schichtarbeit oder Rufbereitschaft?"
Fazit: Fragen lohnt sich
Die Frage nach Arbeitszeiten ist keine Schwäche, sondern zeigt, dass du dir Gedanken machst und eine langfristige Zusammenarbeit anstrebst. Ein guter Arbeitgeber wird diese Frage respektieren und ehrlich beantworten.
Wenn ein Unternehmen negativ auf eine legitime Frage reagiert, ist das auch eine Information – nämlich darüber, wie dort mit Mitarbeiterbedürfnissen umgegangen wird.
Nutze unseren Berufs-Quiz, um herauszufinden, welche Arbeitszeiten zu dir passen, und recherchiere mit dem Berufs-Finder, welche Jobs diese bieten.
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Weiterlesen:
Quellen & weiterführende Links
- Bundesagentur für Arbeit: Tipps fürs Vorstellungsgespräch
- kununu: Arbeitgeber-Bewertungen – Erfahrungsberichte zu Arbeitszeiten
- Wittmann, M. et al. (2006): Social Jetlag: Misalignment of Biological and Social Time. Chronobiology International, 23(1-2), 497-509. DOI: 10.1080/07420520500545979
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